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Eine Rundreise durch Japan

Eine Rundreise durch Japan

Unser Leser Andreas Zimmermann berichtet von den Erlebnissen seiner Rundreise durch Japan und zeigt in eindrucksvollen Bildern die Stationen seines Aufenthalts.

Unsere Rundreise in Japan war kurz, nur 14 Tage. Und die Tour beschränkte sich auf die Hauptinsel Honshu. Trotzdem war es eine unserer beeindruckendsten Reisen, intensiv und jedes »Must-See«, wie die Ginza in Tokyō oder das Kirschblütenfest, ebenso überwältigend wie in jedem Detail, etwa in einer Bentō-Box.

Massen mit System

Begonnen hat unsere Rundreise am Flughafen Osaka und bereits auf der Busfahrt nach Kyoto erhielten wir einen Vorgeschmack von dem, was uns entlang der Küste, dort wo Japan besiedelt werden kann, erwarten würde. Kilometerweit begleitete uns die Aussicht auf Wohnblocks, auf deren schmalen Balkonen Fahnen aus bunter Wäsche ausgehängt waren. Das erste Hotel erreichten wir am Nachmittag in Kyoto und es war ein Hotel direkt am Bahnhof. Der Trubel auf einem japanischen Bahnhof zur Hauptverkehrszeit lässt vermutlich die Rushhour einer mitteleuropäischen Großstadt im Vergleich als ziemlich idyllische Situation wahrnehmen. Und dennoch wurde schnell klar, dass dieses scheinbare Chaos typisch japanisch ist – tatsächlich nämlich geordnet und in hohem Maße diszipliniert. Jeder Japanbesucher wird von den schier endlosen Warteschlangen an den Bahnsteigen in den Bann gezogen, die hinter Kennzeichen direkt vor verschiedenen Eingangstüren der erwarteten Bahnwagons entstehen und die von den Bahnreisenden penibel respektiert werden. Bemerkenswert sind auch die Abfahrtszeiten, die auf unserer gesamten Rundreise erkennbar an Schweizer Uhrwerken ausgerichtet waren. Nur ein einziges Mal hat sich die Abfahrt verzögert — an diesem Tag wurde der gerade eingefahrene Zug von dem Servicepersonal um wenige Minuten länger als amtlich vorgesehen für uns zur Weiterfahrt hergerichtet. Ein solches Problem würde sich die Deutsche Bahn AG und deren Reisende wünschen.

Eine Oase im Alltag

Im Hotel in Kyōto wurden wir im 15. Stockwerk untergebracht und als wir die Zimmertür geschlossen hatten, erkannten wir, dass die Japaner hohen Wert auf Oasen legen, die sie und ihre Besucher aus dem Alltag herausführen. Wie gesagt, es sind selbst die Kleinigkeiten, die in Japan faszinieren und so ist es nicht zu trivial, einen beheizten Toilettensitz zu erwähnen, selbstverständlich in der Temperatur mit diversen Funktionsschaltern in japanischer Beschriftung theoretisch ebenso zu regeln wie sonst alles erdenkliche und nicht zu erwartende auf diesem Platz. Das Frühstück kann man in Japan natürlich japanisch gestalten und wenn man ausreichend mutig ist, bedeutet das gegorene Sojabohnen, also Nattō. Für uns stellt sich bis heute die Frage, ob es tatsächlich westeuropäische Besucher geben kann, die sich für mehr als den obligatorischen Geschmackstest überwinden können. Alle anderen können aber beim Frühstück nicht nur in einem hervorragenden Hotel, sondern wohl überall in Japan, auf die hervorragenden Fähigkeiten des einheimischen Bäckerhandwerks vertrauen.

Das Kirschblütenfest

Unsere Reise führte uns von Kyōto über verschiedene Ausflüge auch nach Himeji. Die Burg des Weißen Reihers gehört ganz ohne Zweifel zu den schönsten Gebäuden, die in Japan zu besichtigen sind. Auch die Japaner selbst sind sich dessen bewusst und so ist es nicht überraschend, dass wir uns mit unserer Reisegruppe in unglaublichen Massen einheimischer Besucher wiederfanden. Überhaupt wird der Besucher, der sich zum ersten Mal in Japan aufhält, wohl überrascht sein, mit wie vielen Einheimischen er sich seine Ziele teilt. Immerhin macht dieser Umstand jedes Besichtigungsprogramm ausgesprochen authentisch. Erst recht galt das für unseren Besuch dieser Burg, der sich glücklich in die Zeit des Kirschblütenfestes fügte. Zunächst denkt man dabei an die Farben weis und rosa der Blüten, unsere Erfahrung zeigt aber, dass die zentrale Farbe des Kirschblütenfestes blau sein müsste das einheitliche Blau unzähliger, einheitlicher Plastikdecken, mit denen Mitarbeiter von Firmen, Familien oder Freunde ihren wenige Quadratmeter großen Platz auf den Rasenflächen für ihr Picknick unter Kirschblüten sichern. Die Schönheit der Kirschblütensaison ist durch die eigene Betrachtung wohl nicht zu erfassen, sondern wird erst dadurch vollständig, dass man die Freude und Begeisterung der Japaner erlebt. Die Begeisterung der Japaner für das Fotografieren ist jedenfalls fast schon sprichwörtlich — aber unübertroffen ist sie mit Sicherheit zur Zeit der Kirschblüte. Fast hat man den Eindruck, wenn es im Frühjahr keinen Zweig, ja keine Kirschblüte mehr gibt, die nicht Motiv eines ambitionierten Fotografen war. Und tatsächlich sollte, wer zur Kirschblütenzeit in Japan ist, beim Fotografieren einfach auf die Standplätze, das Auge und die Motivauswahl der »japanischen Kollegen« vertrauen.

Zum Abschluss nach Tōkyō

Die Weiterreise ins Landesinnere offenbart über weite Strecken ein anderes Land. Eine prägende Erfahrung war für uns gewiss der Besuch des Miho-Museums in der Hügellandschaft von Shigaraki. Neben vielen Kunstschätzen verhilft diesem Museum seine Lage, inmitten einer abgelegenen Bergwelt und das puristische Prinzip der Architektur, das mit der natürlichen Umwelt eine perfekte Harmonie eingeht, zu seiner Einzigartigkeit. Wer ausreichend Zeit hat, sollte auf einen Besuch dieses Museums, das die schlichte Eleganz und Behaglichkeit eines Ryōkans ausstrahlt, nicht verzichten. Noch mehr Natur vermittelte uns der Besuch des Fuji-san. Selbstverständlich haben wir eine der vielen Bergstationen besucht, die für Touristen wohl zum Pflichtprogramm gehören. Und ebenso selbstverständlich haben wir den Trubel und die Giftshops genossen. Die Schönheit des Berges erlebt man aber intensiver aus vielen Kilometern Entfernung und wie wir mit etwas Glück auf einer gemütlichen Bootsfahrt auf dem Ashisee, wenn der scheue Riese für wenige Augenblicke darauf verzichtet, seinen Gipfel in dichte Wolken zu hüllen. Wer zum Abschluss seiner Reise für einige Tage in Tōkyō zu Gast ist, wird die landschaftliche Schönheit Japans, abgesehen von unzähligen Gärten und Tempeln, zunächst einmal aus der Erinnerung verlieren. Zu vielfältig, zu reizvoll und zu fesselnd sind die Eindrücke, die diese Metropole auf ihre Besucher ausübt. Eigentlich scheint es nicht wirklich wichtig zu sein, ob man Tōkyō auf der Ginza, vor dem Kaiserpalast oder an einem beliebigen Ort dieser Stadt erlebt — die Faszination ist auf unterschiedliche Weise stets unvergleichlich. Besucher ohne Platzangst sollten sich in keinem Fall um einen Spaziergang zur Hauptverkehrszeit bringen. Wer Tōkyō auf eigene Faust entdecken will, fühlt sich jederzeit sicher und kann sich auf die Hilfsbereitschaft der Japaner verlassen — die Verständigung funktioniert auch ohne Japanisch Kenntnisse ausgesprochen gut.

Fazit:

Für uns war Tōkyō der Abschluss einer Rundreise, die sich in dieser Stadt hervorragend zusammengefügt hat. Wer wenig Zeit hat, auf ausführliche und professionelle Reisevorbereitung verzichten möchte und dennoch einen möglichst weitgefächerten Blick auf Japan werfen möchte, sollte einen Kurzurlaub in Tōkyō buchen.

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