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Homestay in Gunma – Wie Fremde zu Freunden wurden

Homestay in Gunma – Wie Fremde zu Freunden wurden

Vor rund einem Jahr reifte die Idee, eine gemeinsame Reise nach Japan zu unternehmen, mit der Möglichkeit in Gastfamilien unserer Partnerorganisation JDG-Gunma untergebracht zu werden. Von Ihrer derzeitigen Reise berichten Martina und Torsten:

Tag 1

Unser Homestay in Gunma begann am dritten Tag unserer Reise durch Japan. Wir verließen ein tristes und verregnetes Tokyo mit der JR Regionalbahn mit dem Ziel Takasaki. Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir die Präfektur Gunma (im japanischen auch Gumma) und wurden überaus herzlich von Akio und Junko Hirakata in Empfang genommen. So dann fuhren wir zusammen zu ihrem Haus in der Hauptstadt von Gunma, Maebashi. Anders als unser winziges Hotelzimmer in Shinjuku/Tokyo, haben die beiden ein großes Haus, wie man es auch in Deutschland findet. Unser Gästezimmer war im traditionellen japanischen Stil eingerichtet: Fußboden aus Tatamimatten (gefertigt aus Reisstroh), Tokonoma (Schmucknische, wo wertvolle Gegenstände für Gäste ausgestellt werden, bspw. Ikebana, Bonsai oder Keramik meist in Kombination mit einer Schriftrolle) und Betten aus Futon auf dem Boden. Wir lernten uns am ersten Abend erst einmal kennen und tauschten Erfahrungen aus. Danach nahmen wir ein Bad nach landestypischer Art. Erst reinigt man sich gründlich mit Seife und Wasser bevor man in das eigentliche Badewasser steigt, da dieses von mehreren Personen genutzt wird.

Tag 2

Heute besuchten wir zwei wirklich beeindruckende Bonsaigärten zweier Bonsaimeister in der Nähe von Maebashi. Beide ca. 80 Jahre alten Männer gestalten die Zwergbäume schon seit über 50 Jahren. Wir wurden von Ihnen sehr nett begrüßt sowie mit grünem Tee und japanischem Gebäck bewirtet. Ich kam aus dem Staunen über die unzähligen hochwertigen Gestaltungen von Japanischen Ahornen, Mädchenkiefern und Satsuki-Azaleen nicht mehr heraus. Begleitet wurden wir neben Familie Hirakata noch von Herrn und Frau Suzuki (Präsident der JDG-Gunma).

Tag 3

Nach diesen Eindrücken fuhren wir weiter zum Akagi-Jinja-Schrein und machten unsere ersten Erfahrungen mit der Shintō-Religion. Dieser Ort war in einem Wald aus Sicheltannen gelegen und hatte etwas sehr mystisches an sich. Akio und Junko erklären uns die Reinigungszeremonie und wie man die dort verehrte Gottheit anruft.

Am dritten Tag reisten wir vier nach Nikko, etwas nordöstlich von Maebashi gelegen. Nikko ist DIE kulturelle Stätte, wenn man sich für die Geschichte der Shogun-Dynastie Tokugawa interessiert, neben Grabstätten und Mausoleen für den ersten und dritten Shogun kann man zahlreiche Schreine ansehen, die interessanterweise auch Elemente aus dem Buddhismus sowie Hinduismus aufweisen. In Japan geht man grundsätzlich erfreulich entspannt mit der Zugehörigkeit zu verschiedenen Religionen um. Davon können wir im monotheistisch geprägten Deutschland viel lernen. Übernachtet haben wir in einem traditionell japanischen Hotel in Kinugawa. Hier badeten wir in einem Onsen, einem schwefelhaltigen Thermalbad. Entspannt und müde fielen wir dann auf unsere Futonbetten.

Tag 4

Auf der Rückfahrt von Nikko nach Maebashi sahen wir uns noch das Tomihiro-Art-Museum an. Tomihiro-san ist seit einem tragischen Arbeitsunfall querschnittsgelähmt und erschafft beeindruckende Aquarellbilder mit einem Pinsel im Mund. Nachmittags hieß es in Maebashi dann wieder Rucksäcke packen und fertig machen für die Weiterfahrt nach Annaka zu Familie Kondo. Vorher wurden wir noch von der JDG-Gunma zu einem tollen Abendessen im Verwaltungsgebäude der Präfektur Gunma eingeladen, wo außer Kondos und Hirakatas auch Familie Suzuki anwesend waren. Das war nochmal ein schönes gemeinsames Zusammentreffen. Danach hieß es Abschied nehmen von Akio und Junko, wo bei Martina und mir auch ein paar Tränen flossen, ob der Wärme und Herzlichkeit, die sie uns entgegenbrachten. Wir hoffen auf ein Wiedersehen bei uns in Magdeburg!

Tag 5

Angekommen in Annaka wurden wir von einem schönen, wenn auch untypischen japanischen Haus der Kondos begrüßt. Vom Baustil her könnte das Haus auch in einem Vorort einer amerikanischen Stadt stehen. Auch Familie Kondo hatte schon Pläne für Besichtigungen und so starteten wir am folgenden Morgen ins Gebirge in Richtung Kusatsu. Dieser Kurort ist seit Jahrhunderten bekannt für seine schwefelhaltigen und gesundheitsfördernden Onsen. Bekannt gemacht hatte dies über die Grenzen Japans hinaus der deutsche Mediziner Dr. Erwin von Baelz, der im 19. Jahrhundert auf Einladung des Tenno (japanisch für Kaiser) in das Land kam und ein angesehener Universitätsprofessor war. Baelz-san nahm sehr großen Einfluss auf die Ausbildung und Weiterentwicklung japanischer Mediziner.
Nach einer Sightseeingtour durch Kusatsu fuhren wir weiter zum Tsumagoi Heimatmuseum, wo wir mehr über den verheerenden Vulkanausbruch erfuhren. Am Abend waren wir noch gemeinsam in einem sehr schönen traditionell japanischen Restaurant essen und genossen die besondere Küche dieses faszinierenden Landes. Unser Aufenthalt in Gunma endete dann am folgenden Tag mit der Weiterreise. Nach einem herzlichen Abschied von Moto und Hiro Kondo begaben wir uns zum Shinkansen nach Kyoto.
Voller Dankbarkeit sagten wir auf Wiedersehen zu unseren Freunden der JDG-Gunma. Wir hoffen euch demnächst in Deutschland begrüßen und ein Stück begleiten zu dürfen. Vielen Dank für alles!

Shin‘ainaru yūjin sayōnara!

 

Treffen mit Yuka Serizawa von der Japanisch-Deutschen-Gesellschaft-Nara, 18. September 2015

Martina und Torsten erzählen weiter von ihrer Reise auf der japanischen Hauptinsel:

Am letzten Tag unseres Aufenthalts in Kyōto sind wir für ein paar Stunden nochmal zu einem Abstecher nach Nara gefahren. Dort hatten wir uns mit Suka Srizawa verabredet.
Nara war die Hauptstadt von Japan bevor diese vom Tenno nach Kyōto verlegt wurde.
Wir nahmen den Zug vom Bahnhof Kyōto und trafen um die Mittagszeit in Nara ein. Yuka holte uns pünktlich 12:30 Uhr vom dortigen Bahnhof ab und wir fuhren erst einmal eine leckere Udon-Nudelsuppe essen. So langsam klappte das auch bei Torsten mit den Essstäbchen, wobei Nudeln eine echte Herausforderung darstellen und dann noch höfliches schlürfen… Naja, mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Gestärkt ging es dann zum Kasuga-Taisha Schrein, einem wirklich schönen Shintō-Schrein, der insbesondere durch eine Unzahl von japanischen Steinlaternen, die den Weg säumen, besticht. Diese werden nur wenige Male im Jahr beleuchtet. Auch diese Anlage gehört wie viele in Nara verdient zum UNESCO-Welterbe. Yuka erzählte uns alles wissenswerte über Nara, den Nara-Park und wir hatten viel Spaß miteinander. Sie konnte ihr wirklich gutes Deutsch einmal mehr unter Beweis stellen, obwohl ihr letzter Aufenthalt in unserem Heimatland schon 10 Jahre zurückliegt.

Das Highlight unseres Besuches in Nara war dann jedoch der buddhistische Tempel Tōdai-ji, der die größte buddhistische Bronzestatue beherbergt. Dieser Daibutsu (japanisch für Buddha) strahlt nicht nur ob seiner Größe und seines Alters eine unbeschreibliche Energie aus, so dass man vor Ehrfurcht und Ergriffenheit erstarrt. Die schlichte Geste seiner Hände: Geste der Beruhigung und Schutzgewährung (Die rechte Hand ist erhoben und dem Betrachter offen zugewandt) und die Geste des Schenkens und der Gunstgewährung (Die Hand ist offen und dem Betrachter zugewandt) hat eine große Ausdruckskraft.

Nach diesem Erlebnis gingen wir weiter durch den Nara-Park und wurden von sehr vielen handzahmen Sikahirschen begleitet. Die Tiere sind sehr an Menschen gewöhnt und können von Besuchern mit speziellen Keksen gefüttert werden. Wenn man nicht aufpasst knabbert so ein Tier einem auch am Reiseführer herum. Wo sonst kann man eigentlich wilde Tiere so hautnah erleben. Zum Abschluss gingen wir mit Yuka noch zu einem schönen See, wo neben Koikarpfen auch Schildkröten schwammen. Dann war die Zeit schon wieder vorbei und wir wurden von Yuka am Bahnhof Richtung Kyōto abgesetzt. Sie musste am späten Nachmittag nochmal zur Arbeit. Wir sind Yuka sehr dankbar, dass sie uns ihre Zeit für ein paar Stunden geschenkt hat und haben sie und ihren Mann spontan zu uns nach Deutschland eingeladen.

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